Alle Register gezogen – „Orgelrundfahrt“ ein kulturelles Highlight

Die Startergruppe am Martin-Luther-King-Haus.

Wenn es 30 Grad warm ist oder mehr, ist ein Aufenthalt im Freien eine Herausforderung. So war das auch bei der rund 50 Kilometer langen „Orgelrundfahrt“ am Sonntag, den 23. Mai 2026. Die hohen Temperaturen schreckten aber die rund 30 Radler des PWV Speyer und ihrer Gäste nicht ab, denn Abkühlung war in Sicht. Wo? Natürlich in der Kirche.

Kurzer Halt am Rheindeich in Richtung Lingenfeld.

Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger, Teilnehmer der Tour und Wanderführer des PWV, gab nämlich in den Kirchen von Westheim, Zeiskam, Hochstadt und Freisbach – allesamt auf der Route liegend – musikalische Kostproben auf der Orgel – darunter die bekannte „Toccata“ in B-Moll von Johann Sebastian Bach. Auch Kirchenlieder wurden vorgetragen, bei denen die Radlerinnen und Radlern kräftig mitsangen. Eine äußerliche Abkühlung verbunden mit innerer Einkehr.

Andreas Schmidt gibt Einblicke in die Orgelmechanik.

Über die besonderen Bauweisen der Orgeln referierte der pfälzische Orgelsachverständige Andreas Schmidt aus Landau. Für die Teilnehmer der Radtour eröffneten sich dadurch interessante Einblicke „auf der Rückseite“ des Instruments, wo die Mechanik und Antriebseweise offenbar wurde. So gibt es beispielsweise pneumatische und mechanische Kegelladen oder mechanische Schleifladen. Immer geht es darum, wie der Lufstrom in die Pfeife kommt. Über die Register und verschiedenen Klangfarben zu referieren, würde aber den Rahmen eines Tourenberichts sprengen.

Kuchen…

Über gut ausgebaute, meist asphaltierte Radwege führte der Weg zunächst aus Speyer hinaus zum Rheindeich und weiter an der Draisinenbahn entlang über Lingenfeld, Westheim und Lustadt nach Zeiskam. Dort wartete die erste Orgel. Anschließend ging es nach Hochstadt, wo die Radlerinnen und Radler eine Pause einlegten. Ein glücklicher Zufall (oder göttliche Fügung) ergab sich dabei am Gemeindezentrum auf dem Platz am alten Schulhaus. Dort nämlich fand ein Kinderbasar mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen statt. Sogleich ließen sich die Speyerer nieder, zusätzliche Tische wurden herangeschafft und das köstliche Backwerk verspeist. Kinder und Eltern freuten sich über die stark gestiegenen Einnahmen durch den unerwarteten Besuch der PWVler. Wie heißt es auf pfälzisch? Eine Win-Win-Situation!

…noch mehr Kuchen…

Nach dieser Stärkung ging es weiter nach Freisbach zur historischen Geiborgel in der Protestantischen Pfarrkirche. Im Jahr 1789 erklang die 25 Register umfassende Orgel, die auch heute noch funktionsfähig ist, erstmals. Verantwortlich für den Bau war der Orgelbauer Johann Geib. Geib baute auch die Orgel der Dreifaltigkeitskirche in Speyer.

Wieder ein Zufall oder geplant? Schräg gegenüber der Kirche fand zur gleichen Zeit das Freisbacher Parkfest statt. Zwar war um 15.30 Uhr noch nichts los, aber die Getränkeausgabe hatte ihre Theke schon geöffnet. So fand diese außerordentliche „Orgelradtour“ bei gekühlten Getränken und gemütlichem Beisammensein ihren Abschluss. Alle waren sich einig: es war nicht nur ein schöner Tag und eine tolle Radtour, sondern auch ein kulturelles Highlight, dessen Neuauflage sehnlichst erwartet wird.